In der Sportakrobatik-Szene ist der Name Elea Kiene seit vielen Jahren ein Begriff. Die 21-jährige Hammerin fand durch ihre ältere Schwester den Weg in diesen anspruchsvollen Sport und bestritt bereits im Alter von sechs Jahren ihre ersten Wettkämpfe. Es folgte eine beeindruckende Karriere, geprägt von Disziplin, Leidenschaft und zahlreichen Erfolgen.
Neben Teilnahmen an internationalen Turnieren und dem Gewinn zahlreicher Medaillen sicherte sich Kiene regelmäßig Titel bei den NRW-Landesmeisterschaften sowie den Nordwestdeutschen Meisterschaften. Auch auf nationaler Ebene konnte sie glänzen: In den Jahren 2018 und 2024 erkämpfte sie sich Medaillen bei den Deutschen Meisterschaften.
Im vergangenen Jahr schlug die Ausnahmeathletin noch einmal ein neues Kapitel auf. Eine Anfrage aus Niedersachsen erreichte den HSC: Landestainerin Christiane Karczmarzyk war auf der Suche nach einer weiteren Unterfrau für zwei ihrer Talente. Nach einem erfolgreichen Probetraining war schnell klar – es passt. Von da an pendelte Kiene wöchentlich sowie an den Wochenenden rund 200 Kilometer ins niedersächsische Oldenburg, um gemeinsam mit ihren neuen Partnerinnen Mia Ohlsen und Beeke Damaschke zu trainieren.
Der enorme Einsatz zahlte sich aus. Aufgrund der starken Leistungen des Trios und der bereits etablierten Partnerinnen fand sich Kiene auf der Sichtungsliste von Bundestrainer Igor Blintsov wieder. Wenige Monate später folgte die nächste große Auszeichnung: die Nominierung für den Bundeskader 2026.
Im März feierte das neu formierte Trio bei der offenen Rheinland-Pfalz-Meisterschaft seinen gelungenen Einstand. Mit zwei anspruchsvollen Übungen, gespickt mit Höchstschwierigkeiten, belohnten sie sich direkt mit doppeltem Gold.
Das internationale Highlight ließ nicht lange auf sich warten: Am Osterwochenende ging es mit dem Team der Schwarz-Weiß Oldenburg nach Valencia zum renommierten „DIAC – Dinamic International Acro Cup“. Bereits am Karfreitag überzeugte das Trio mit einer starken Balancekür und sicherte sich mit 25,240 Punkten den zweiten Platz hinter einem niederländischen Team.
Am Ostersamstag verlief die Tempokür jedoch nicht fehlerfrei. Ein Sturz beim Tsukahara sorgte für einen Schreckmoment – nicht nur vor Ort, sondern auch bei den mitfiebernden Vereinskameradinnen in der Heimat. Doch die erfahrene Oberfrau Mia Ohlsen bewies Nervenstärke, fand zurück in die Übung und brachte das Programm souverän zu Ende. Mit 22,520 Punkten belegte das Trio Rang vier in dieser Disziplin, qualifizierte sich jedoch als Drittplatzierte für das Finale.
Im Finale am Sonntag zeigte das Team noch einmal großen Kampfgeist. Trotz eines kleinen Fehlers in der Kombinationsübung – ein Balanceelement wurde zu kurz gehalten und mit einer Zeitstrafe von 0,900 Punkten bewertet – erreichten sie 23,810 Punkte. Da auch die Konkurrenz nicht fehlerfrei blieb, durften sich Kiene und ihr Team erneut über den zweiten Platz hinter den starken Niederländerinnen freuen.
Nun endet diese außergewöhnliche Karriere. Elea Kiene hängt ihren Turnanzug an den Nagel. Der hohe zeitliche Aufwand ihres Studiums der interkullturellen Wirtschaftspsychologie an der Hochschule Hamm-Lippstadt sowie die regelmäßigen Fahrten zwischen Hamm und Oldenburg lassen sich langfristig nicht mehr mit dem Leistungssport vereinbaren.
Nach 15 aktiven Jahren verabschiedet sich Elea Kiene aus der Sportakrobatik – und hinterlässt eine beeindruckende Spur. Sie geht als Vorbild für Disziplin, Leidenschaft und Teamgeist in den sportlichen Ruhestand.
„Ich bin unfassbar dankbar für die vergangenen Jahre. Ich habe meine gesamte Jugend in der Sporthalle und auf Wettkämpfen verbracht – und bereue keine einzige Sekunde. Ich war in nahezu allen Bundesländern unterwegs und habe viele wertvolle Erfahrungen auf, aber auch neben der Wettkampfmatte gesammelt. Der krönende Abschluss war mein erster und zugleich letzter internationaler Wettkampf im Ausland. Jetzt freue ich mich auf Zeit mit Freunden und meiner Familie sowie auf neue sportliche Ziele.“




